Sehr geehrte/r Partner/in,
Während der Februar aufgrund des chinesischen Neujahrs traditionell ein ruhigerer Monat in der Logistik ist, steht der Markt keineswegs still. Tatsächlich verändern mehrere regulatorische und strukturelle Entwicklungen still und leise den internationalen E-Commerce und die Lieferketten, und die Auswirkungen werden früher spürbar sein, als viele erwarten.
Im Folgenden heben wir die Entwicklungen hervor, die Ihre Aufmerksamkeit jetzt und nicht später verdienen.
EU-Indien-Freihandelsabkommen: eine strategische Verlagerung im globalen Sourcing
Ende Januar schlossen die Europäische Union und Indien die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen (FHA, vorbehaltlich der endgültigen Ratifizierung) ab. Nach Inkrafttreten wird dieses Abkommen die Zölle auf die meisten zwischen der EU und Indien gehandelten Waren erheblich senken oder abschaffen.
Laut der Europäischen Kommission werden die Zölle abgebaut auf:
- 96,6 % der EU-Exporte nach Indien
- 99,5 % der indischen Exporte in die EU (über einen Zeitraum von sieben Jahren)
Dieses Abkommen wird weithin als strategischer Schritt der EU angesehen, um die Handelsströme zu diversifizieren und die Abhängigkeit von traditionellen Märkten zu verringern.
Was wir bereits auf dem Markt sehen:
- Wachsendes Interesse an Indien als alternativem oder ergänzendem Beschaffungsstandort
- Neubewertung langfristiger Produktionsstrategien
- Verstärkter Fokus auf Ursprungsregeln, Klassifizierung und Zollkonformität
Während reduzierte Zölle neue Möglichkeiten schaffen, bringen sie auch zusätzliche Komplexität mit sich. Präferenzielle Handelsabkommen erfordern eine korrekte Dokumentation und Ursprungsvalidierung, um von Zollsenkungen zu profitieren.
Für Unternehmen, die im Sourcing, in der Fertigung oder im Einzelhandel tätig sind, ist dieses Abkommen ein weiteres Signal dafür, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, die Lieferkettenstrukturen zu überprüfen, und nicht erst, wenn Änderungen bereits durchgesetzt werden.
Der regulatorische Druck auf den E-Commerce nimmt zu
Nach monatelanger Ungewissheit wurde die vorgeschlagene nationale niederländische Bearbeitungsgebühr für E-Commerce-Sendungen verschoben. Dies verschafft Plattformen und Markeninhabern kurzfristige Erleichterung.
Das Gesamtbild ist jedoch klar:
Ab dem Juli 2026 wird die Europäische Union einen Zoll von 3 € pro Artikel auf E-Commerce-Sendungen mit geringem Wert (< 150 €) erheben, der in allen EU-Mitgliedstaaten angewendet wird. Dies ist Teil einer umfassenderen EU-Strategie, um:
- Den administrativen Druck auf die Zollbehörden zu verringern
- Schlupflöcher bei Importen mit geringem Wert zu schließen
- Einen faireren Wettbewerb zwischen in der EU ansässigen und nicht in der EU ansässigen Verkäufern zu schaffen
Die Richtung ist unverkennbar: Der grenzüberschreitende E-Commerce wird stärker reguliert, strukturierter und toleriert weniger „Grauzonen“.
Strategische Verlagerung: vom grenzüberschreitenden zum EU-basierten Fulfillment
Auf dem Markt beobachten wir, dass Konsumgütermarken ihre Betriebsmodelle neu bewerten. Während der Versand direkt von außerhalb der EU einst die Standardeinstellung war, prüfen viele Marken nun aktiv Alternativen wie:
- EU-basierte Lagerhaltung & Fulfillment
- B2B2C-Distributionsmodelle
- Lieferung aus ver- oder unverzolltem EU-Verteilzentrum
Diese Verlagerung wird nicht nur durch Vorschriften vorangetrieben. Marken reagieren auch auf:
- Steigende Last-Mile-Erwartungen der Verbraucher
- Druck auf Lieferzeiten und Retourenabwicklung
- Zunehmende Kontrolle von Mehrwertsteuer, Zollwert und Compliance
In vielen Fällen verbessert die Verlagerung des Fulfillments in die EU nicht nur die Compliance, sondern führt auch zu kürzeren Vorlaufzeiten, besser kalkulierbaren Kosten und einer höheren Kundenzufriedenheit.
CBAM ist in Kraft und wird immer noch unterschätzt
Der CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) ist nun offiziell in Kraft. Trotzdem stellen wir weiterhin fest, dass viele Importeure von CBAM-relevanten Gütern noch nicht vollständig vorbereitet sind.
Häufige Herausforderungen sind:
- Unklare Produktklassifizierung
- Unzureichende Emissionsdaten von Lieferanten
- Unterschätzung der Melde- und Verwaltungsaufwandes
Bis zur Verschärfung der Durchsetzung zu warten, ist ein Risiko. Eine frühzeitige Vorbereitung ermöglicht es Ihnen, die Kontrolle über die Kosten zu behalten und betriebliche Störungen im Laufe des Jahres zu vermeiden.
Gerne informieren wir Sie in einem kurzen Demo-Call näher.
Operativer Kontext: was wir auf dem Markt sehen
- Chinesisches Neujahr
Ab dem 15. Februar wird die Produktion in China weitgehend eingestellt. Die Wochen vor diesem Zeitraum zeigen bereits rückläufige Produktion und Volumen. Es wird erwartet, dass der Februar ruhig bleibt und die Produktion Anfang März allmählich wieder anläuft. - Rotterdam Regulation Update
Es wurden Anpassungen hinsichtlich der Verbringung von Erzeugnissen tierischen Ursprungs vorgenommen, die sich auf bestimmte Importströme auswirken. - Fruit Logistica
Wir verfolgen die Entwicklungen im Frischwarensektor weiterhin aufmerksam und vernetzen uns mit Partnern entlang der Lieferkette.
Und ja, die Tage werden wieder länger 😊
Ein Moment zur Neubewertung
Viele der oben genannten Änderungen verursachen keine unmittelbaren Störungen – bis sie es plötzlich doch tun. Die Unternehmen, die am meisten profitieren, sind diejenigen, die ihre Aufstellung neu bewerten, bevor der Druck in Dringlichkeit umschlägt.
Wenn Sie derzeit Folgendes evaluieren:
- Ihre E-Commerce- oder Fulfillment-Strategie
- EU-Lagerhaltungsoptionen
- Zoll-, Mehrwertsteuer- oder CBAM-Compliance
Gerne tauschen wir uns aus und erarbeiten gemeinsam praktische Lösungen.