Ab 2027 wird sich für die europäische Bekleidungsindustrie viel verändern. Die Europäische Union verpflichtet Modeunternehmen, jedes neue Kleidungsstück mit einem Digital Product Passport (DPP) zu versehen. Dieser digitale Pass legt die gesamte Kette offen, von Rohstoffen und Produktion bis hin zu CO₂-Emissionen, Wasserverbrauch und Recyclingmöglichkeiten. Ein wichtiger Schritt hin zu einer transparenteren, faireren und nachhaltigeren Textilindustrie.
Was ist der Digital Product Passport (DPP)?
Das DPP ist ein digitales Label, das weit über die traditionellen Waschanleitungen oder Herkunftsetiketten hinausgeht. Es bietet Einblick in:
• die verwendeten Materialien und Rohstoffe,
• die Arbeitsbedingungen während der Produktion,
• die Umweltauswirkungen wie CO₂-Emissionen und Wasserverbrauch,
• die Möglichkeiten zur Reparatur, Wiederverwendung und zum Recycling.
Das System ist Teil des Europäischen Green Deals und soll letztendlich für nahezu alle physischen Produkte gelten. Ziel ist eine vollständig zirkuläre Wirtschaft, in der Verbraucher, Unternehmen und Aufsichtsbehörden genau wissen, was hinter einem Produkt steckt.
Große Auswirkungen für die Modebranche
Für Bekleidungsmarken bedeutet das DPP eine große Veränderung. Unternehmen müssen umfangreiche Daten sammeln, kontrollieren und digital verfügbar machen. Und das, obwohl die genauen Richtlinien für einige Produktgruppen noch nicht vollständig ausgearbeitet sind. Auch Aufsicht und Durchsetzung befinden sich noch in der Entwicklungsphase.
Gerade für internationale Ketten mit komplexen Liefernetzen stellt dies eine erhebliche Herausforderung dar. Sie müssen neue Datensysteme implementieren und sicherstellen, dass Lieferanten weltweit die gleichen Standards einhalten. Kleinere Marken scheinen flexibler zu sein, haben aber oft weniger Mittel, um solche Systeme aufzubauen.
Warum das nötig ist
Die Dringlichkeit ist groß. Die Textilindustrie ist für etwa 8 bis 10 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich, verbraucht enorme Mengen Wasser und produziert jährlich Millionen Tonnen Abfall. Hinzu kommen schlechte Arbeitsbedingungen in Niedriglohnländern, die ein strukturelles Problem darstellen.
Das DPP zwingt Unternehmen, ihre Kette unter die Lupe zu nehmen und stimuliert das Bewusstsein bei den Verbrauchern. Transparenz macht Missstände sichtbar und regt die Branche zur Verbesserung an.
Technologie und Kosten
Die Nachfrage nach Rückverfolgungslösungen wächst schnell. Technologieunternehmen entwickeln Plattformen, mit denen Marken Daten mit QR-Codes oder NFC-Chips in Kleidung verknüpfen können. Die Kosten variieren stark: von Zehntausenden Euro für kleine Labels bis zu Tonnen für multinationale Konzerne mit komplexen Ketten.
Die größte Herausforderung liegt nicht in der Investition selbst, sondern in der Wahl von Systemen, die den europäischen Anforderungen entsprechen. Eine falsche Wahl kann zu doppelten Kosten oder Verzögerungen bei der Einführung führen.
Eine weltweite Bewegung
Frankreich ist Vorreiter mit einer obligatorischen Öko-Score für Kleidung. Niederländische Pioniere zeigen unterdessen, dass Kettentransparenz erreichbar ist, sofern die richtige Technologie eingesetzt wird. International wirft der europäische Kurs auch Diskussionen darüber auf, wie dies die Handelsbeziehungen zu den USA und China beeinflusst, wo weniger Wert auf Nachhaltigkeit gelegt wird.
Der Konsument hat den Schlüssel
Die Effektivität des DPP hängt letztendlich von unserem Kaufverhalten ab. Nachhaltigere Produktion kostet mehr, besonders bei komplexeren Artikeln. Die Frage ist, ob die Verbraucher bereit sind, dafür zu bezahlen. Nur wenn Nachhaltigkeit auch im Geschäft zu einem ausschlaggebenden Faktor wird, kann sich die Textilindustrie wirklich verändern.
Transparenz als Chance
Die Einführung des DPP ist keine unverbindliche Übung. Marken, die jetzt in Transparenz investieren, gewinnen zukünftig Vertrauen, Effizienz und Markenwert. Sie bauen an einer zukunftsfähigen Supply Chain, in der Nachhaltigkeit und Innovation Hand in Hand gehen.
Die Modeindustrie steht am Anfang einer einschneidenden, aber notwendigen Veränderung. Denn eines ist sicher: Wegschauen ist keine Option mehr in einer Branche, die große Auswirkungen auf Mensch und Umwelt hat.
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