Die letzten Monate des Jahres 2026 bringen wichtige Veränderungen für internationale Lieferketten mit sich. Neue europäische Einfuhrbestimmungen, steigende Seefrachtraten und kommende Verpflichtungen führen dazu, dass Unternehmen ihre Logistikprozesse und Kosten erneut genau prüfen müssen.
In diesem Supply Chain Insights-Update besprechen wir fünf aktuelle Entwicklungen und erläutern, was diese für Ihre Organisation bedeuten.
1. Neue europäische Abwicklungsgebühr von 2 € ab dem 1. November
Ab dem 1. November 2026 wird eine europäische Abwicklungsgebühr (Handling Fee) von 2 € pro Zollposition für E-Commerce-Sendungen eingeführt, die Verbraucher direkt aus Ländern außerhalb der EU erhalten.
Die Gebühr gilt unabhängig vom Wert der Sendung. Für E-Commerce-Waren mit einem Wert von bis zu 150 € fällt diese zusätzlich zu dem seit dem 1. Juli 2026 geltenden Einfuhrzollsatz von 3 € pro Zollposition an.
Es ist wichtig zu wissen, dass die Gebühr nicht pro Paket, sondern pro Zollposition berechnet wird. Ein Paket mit mehreren Produktkategorien kann daher zu mehreren Gebühren führen.
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
Für Webshops, Marktplätze und Logistikdienstleister kann dies Auswirkungen auf die gesamten Importkosten, Preisberechnungen und administrativen Prozesse haben. Ein Einblick in die Anzahl der Zollpositionen ist daher mindestens ebenso wichtig wie die Kenntnis der Paketanzahl.
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2. Product Identifiers verpflichtend ab dem 1. November 2026
Neben der neuen Abwicklungsgebühr ändern sich auch die Informationen, die bei bestimmten E-Commerce-Einfuhranmeldungen übermittelt werden müssen.
Ab dem 1. November 2026 sind Product Identifiers (PIDs) für die betreffenden E-Commerce-Sendungen verpflichtend. Mit diesen Produktidentifikationen können Zollbehörden Produkte präziser erkennen und verfolgen.
Je nach Situation kann es sich um Identifikationsdaten wie EAN, GTIN, ISBN, Modellnummer oder die Produktreferenz des Verkäufers oder Herstellers handeln.
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
Eine korrekte Zollanmeldung beginnt mit zuverlässigen Produktinformationen. Daher ist es wichtig, dass Produktdaten aus Webshops, Lieferantensystemen und Zollprozessen konsistent verfügbar sind.
Fehlende oder unrichtige Informationen können zu zusätzlichen Kontrollen, Verzögerungen oder zur Ablehnung von Anmeldungen führen.
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3. Seefracht: Raten in Richtung Europa steigen wieder an
Nach einer Phase sinkender Raten verzeichnet der internationale Seefrachtmarkt erneut Preissteigerungen.
Laut dem World Container Index von Drewry stiegen die Containerraten von Shanghai nach Rotterdam am 22. Oktober im Vergleich zur Vorwoche um 3 % auf 3.632 $ pro 40-Fuß-Container.
Gleichzeitig begrenzen Reedereien auf bestimmten Routen die verfügbare Kapazität durch die Streichung von Abfahrten (blank sailings). Dies kann Auswirkungen auf Raten, Buchungsmöglichkeiten und die Planungszuverlässigkeit haben.
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
Für Importeure und Supply Chain Manager bleibt es wichtig, Transportkapazitäten rechtzeitig zu buchen und mögliche Änderungen der Abfahrtspläne einzukalkulieren.
Neben dem Frachtpreis verdienen auch Transitzuverlässigkeit, Flexibilität und die Anbindung an den Hinterlandtransport Aufmerksamkeit.
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4. EUDR: Bereiten Sie Ihre Lieferkette auf den 30. Dezember 2026 vor
Auch im Bereich Nachhaltigkeit und Produktherkunft werden die Anforderungen strenger.
Ab dem 30. Dezember 2026 tritt die European Union Deforestation Regulation (EUDR) unter anderem für große und mittlere Marktteilnehmer in Kraft. Für die meisten kleinen und Kleinstunternehmen gilt der 30. Juni 2027 als Stichtag, mit einigen Ausnahmen.
Die Verordnung bezieht sich auf bestimmte Rohstoffe und daraus gewonnene Produkte, darunter Holz, Kakao, Kaffee, Soja, Kautschuk, Palmöl und Rinder.
Unternehmen, die unter diese Verpflichtungen fallen, müssen nachweisen können, dass ihre Produkte entwaldungsfrei und legal produziert wurden. Dabei spielen Herkunftsdaten, Rückverfolgbarkeit und die erforderlichen Sorgfaltspflichtverfahren eine zentrale Rolle.
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
Die EUDR erfordert eine gute Abstimmung zwischen Einkauf, Lieferanten, Compliance und Logistik. Prüfen Sie rechtzeitig, welche Produkte unter die Verordnung fallen und welche Informationen verfügbar sein müssen, um die Verpflichtungen zu erfüllen.
Lesen Sie mehr über die EUDR und wie Sie sich vorbereiten →
5. Neuer Zollkodex der Union: Digitalisierung verändert Zollprozesse
Die Europäische Union arbeitet an einer umfassenden Reform des Zollsystems durch den neuen Zollkodex der Union (nZKU).
Ein wesentlicher Bestandteil ist die Entwicklung des EU Customs Data Hub: eine zentrale digitale Plattform, über die Zolldaten innerhalb Europas effizienter geteilt und verarbeitet werden können.
Nach der aktuellen Planung wird dieser Data Hub ab dem 1. Juli 2028 für den E-Commerce verpflichtend. Für andere Unternehmen folgt die Einführung in späteren Phasen.
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
Zuverlässige Produktdaten, korrekte Warennummern und gut strukturierte digitale Prozesse werden immer wichtiger.
Unternehmen, die bereits jetzt in Datenqualität und die Zusammenarbeit zwischen ihren Logistik-, Finanz- und Zollsystemen investieren, schaffen eine bessere Basis für zukünftige Änderungen.
Lesen Sie, was der neue Zollkodex für Ihre Organisation bedeutet →
Vorausschauen: Was erfordert dies von Ihrer Lieferkette?
Die Entwicklungen im Oktober zeigen, dass die internationale Logistik immer stärker von Regulierungen, verfügbaren Transportkapazitäten und der Qualität der Produktdaten beeinflusst wird.
Für Unternehmen bedeutet dies, dass eine gut funktionierende Lieferkette über die reine Organisation des Transports hinausgeht. Auch Zoll-Compliance, Kostenkontrolle, Digitalisierung und rechtzeitige Vorbereitung gewinnen stetig an Bedeutung.
Bei Van der Helm Logistics verfolgen wir diese Entwicklungen genau. Mit unserer Expertise in der Zollabwicklung, im Forwarding und in der internationalen Logistik unterstützen wir Unternehmen dabei, ihre Lieferkette beherrschbar zu halten.
Möchten Sie wissen, welche Entwicklungen Einfluss auf Ihre Logistikprozesse haben könnten?