Das europäische Zollrecht steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Mit dem neuen Unionszollkodex (nUZK) wird das europäische Zollsystem in den kommenden Jahren schrittweise reformiert. Der Kern dieser Veränderung: Die Zollaufsicht verlagert sich immer mehr von einzelnen Zollanmeldungen hin zu zuverlässigen, aktuellen und strukturierten Daten über Produkte, Handelsströme und Lieferketten.
Nach Angaben des niederländischen Zolls handelt es sich um die größte Reform des europäischen Zollsystems seit der Gründung der Zollunion im Jahr 1968. Die Reform führt unter anderem einen europäischen Customs Data Hub, eine neue EU-Zollbehörde (EU Customs Authority) und neue Möglichkeiten für vertrauenswürdige Händler ein. Die Einführung erfolgt phasenweise und läuft bis 2034.
Für Importeure und andere international tätige Unternehmen bedeutet dies, dass die Datenqualität zu einem immer wichtigeren Faktor im Zollprozess wird. Es ist daher ratsam, nicht zu warten, bis alle Teile des nUZK verpflichtend werden, sondern bereits jetzt die Qualität und Verfügbarkeit von Produkt-, Lieferanten- und Zolldaten in Ihrem Unternehmen zu prüfen.
Von der anmeldeorientierten zur datengesteuerten Zollaufsicht
Heute dreht sich ein Großteil des Zollprozesses noch um einzelne Zollanmeldungen. Für jede Warenbewegung werden Informationen gesammelt, eingereicht und in verschiedenen nationalen Zollsystemen verarbeitet.
Mit dem nUZK ändert sich dieses Modell grundlegend.
Zentrales Element des künftigen Systems ist der EU Customs Data Hub: eine einheitliche europäische digitale Umgebung, in der Unternehmen Zoll- und Produktinformationen bereitstellen können. Ziel ist es, dass Informationen letztlich nicht für jede einzelne Sendung neu eingereicht werden müssen und dass die Zollbehörden in den verschiedenen EU-Mitgliedstaaten mit denselben Daten arbeiten können.
Der Data Hub soll den europäischen Zollbehörden zudem Zugang zu aktuelleren und besser zusammenhängenden Informationen über Handelsströme und Lieferketten ermöglichen. Dadurch kann das Risikomanagement zunehmend auf europäischer Ebene stattfinden, und die Behörden können gezielter bestimmen, welche Waren oder Warenströme besondere Aufmerksamkeit erfordern.
Für Ihr Unternehmen bedeutet dies gleichzeitig, dass die Qualität der zugrunde liegenden Daten an Bedeutung gewinnt. Ein korrekter Warencode bleibt zwar notwendig, wird aber immer mehr zu einem Bestandteil eines umfassenderen Datensatzes über das Produkt, die beteiligten Parteien und die Lieferkette.
Die Verantwortung des Importeurs wird wichtiger
Eine weitere wichtige Entwicklung innerhalb des neuen Zollsystems ist die Position des Importeurs.
Bei der Einfuhr muss klar sein, welche Partei für die Waren verantwortlich ist. Im neuen System bezieht sich diese Verantwortung ausdrücklich sowohl auf steuerliche als auch auf nicht-steuerliche Verpflichtungen. Bei nicht-steuerlichen Anforderungen können Sie beispielsweise an europäische Vorschriften zur Produktsicherheit und andere produktbezogene Rechtsvorschriften denken.
Das bedeutet nicht, dass für jedes Produkt die gleichen Informationen benötigt werden. Welche Daten und Dokumente relevant sind, hängt vom Produkt, der Herkunft, Ihrer Handelsstruktur und der geltenden Gesetzgebung ab.
In der Praxis erwarten wir daher, dass Sie einen immer besseren Einblick in Daten wie Produktbeschreibungen, HS-Klassifizierungen, Ursprung, Hersteller und Lieferanten sowie relevante Produktdokumentationen benötigen. Je nach Produkt können auch Daten über beispielsweise CE-Kennzeichnung, Batterien, Produktsicherheit oder andere Marktüberwachungsanforderungen von Bedeutung sein.
Damit werden Produktdaten immer seltener ausschließlich ein Thema für die Zollabteilung. Auch Informationen aus dem Einkauf, dem Produktmanagement, der Compliance, der IT und dem Supply-Chain-Management können notwendig sein, um Ihre Waren effizient durch den Zollprozess zu schleusen.
Der EU Customs Data Hub wird schrittweise eingeführt
Der Übergang zum neuen System erfolgt nicht auf einen Schlag.
Für den E-Commerce findet ein wesentlicher Teil der Veränderungen zuerst statt. Der EU Customs Data Hub wird nach der aktuellen Planung ab dem 1. Juli 2028 für den E-Commerce verpflichtend.
Ab dem 1. März 2031 wird der Data Hub für die freiwillige Nutzung durch andere Unternehmen geöffnet. Anschließend wird die Nutzung ab dem 1. März 2034 für alle Händler verpflichtend, die unter das neue System fallen.
Die Jahre bis 2034 sind somit kein Zeitraum, in dem Sie nichts tun müssen. Die technische Infrastruktur, die europäischen Durchführungsbestimmungen, die nationale Gesetzgebung und die Geschäftsprozesse werden schrittweise angepasst.
Hat Ihr Unternehmen große Importvolumina oder komplexe internationale Lieferketten? Dann ist es ratsam, lange vor den endgültigen Fristen zu prüfen, ob die erforderlichen Daten in Ihrem Unternehmen verfügbar, zuverlässig und strukturiert sind.
Für den E-Commerce haben die Änderungen bereits begonnen
Verkaufen Sie Waren aus Ländern außerhalb der EU direkt an Verbraucher innerhalb der Europäischen Union? Dann sind Teile der Reform bereits jetzt konkret relevant.
Seit dem 1. Juli 2026 gilt für bestimmte E-Commerce-Waren ein vorübergehender Einfuhrzollsatz von 3 € pro Artikel als Folge der Änderung der bisherigen Zollbefreiung. Darüber hinaus wird ab dem 1. November 2026 die Produktidentifikation in der Einfuhranmeldung für den E-Commerce verpflichtend.
Die Produktidentifikation geht über eine allgemeine Produktbeschreibung hinaus. Es handelt sich um einen eindeutigen Code, mit dem ein bestimmtes Modell, eine bestimmte Charge oder ein bestimmtes Produkt erkannt und verfolgt werden kann. Nach Angaben des Zolls kann diese Identifikation unter anderem vom Hersteller, Produzenten, Lieferanten, Online-Verkäufer, Marktplatz oder der Online-Plattform vergeben werden.
Zudem ist eine europäische Bearbeitungsgebühr (Handling Fee) für den E-Commerce vorgesehen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung erwartet der niederländische Zoll die Einführung um den 1. November 2026, die Höhe dieser Gebühr ist jedoch noch nicht endgültig bekannt.
Für E-Commerce-Unternehmen machen diese Entwicklungen deutlich, wie schnell sich die Rolle von Produktdaten ändert. Informationen, die Sie bisher hauptsächlich in Ihrem Webshop, ERP-System oder in der Lieferantendokumentation verwendet haben, können immer häufiger direkt für den Zollprozess relevant werden.
Mehr Daten bedeuten auch mehr Aufmerksamkeit für die Datenqualität
Die Entwicklung hin zu einem einheitlichen europäischen Data Hub bietet Vorteile. Letztendlich sollen Sie Informationen einmalig bereitstellen und Daten für mehrere Warenbewegungen wiederverwenden können. Das soll den Verwaltungsaufwand verringern und Prozesse effizienter gestalten.
Dem steht jedoch eine wichtige Bedingung gegenüber: Die bereitgestellten Daten müssen korrekt und zuverlässig sein.
Sind Informationen über beispielsweise Klassifizierung, Ursprung, Lieferanten oder Produkteigenschaften über verschiedene Systeme verteilt oder werden sie manuell gepflegt? Dann kann es schwieriger werden, konsequent dieselben korrekten Daten zu liefern.
Unsere Erwartung ist daher, dass die Datenqualität einen immer direkteren Einfluss auf die Effizienz Ihrer Zollprozesse haben wird. Unvollständige, inkonsistente oder schwer nachvollziehbare Daten können eher Anlass zu Rückfragen oder Kontrollen geben und damit möglicherweise zu Verzögerungen führen.
Die Vorbereitung auf den nUZK ist also nicht ausschließlich ein Zollprojekt. Sie betrifft auch die Gestaltung und Qualität der zugrunde liegenden Unternehmensdaten in Ihrer Organisation.
Trust & Check: Mehr Vertrauen durch mehr Transparenz
Das neue Zollsystem führt auch eine neue Kategorie für besonders zuverlässige und transparente Händler ein: Trust & Check-Händler.
Wenn Ihr Unternehmen die künftigen Bedingungen erfüllt und umfassende, zuverlässige Informationen über Warenbewegungen und Compliance bereitstellen kann, kann es möglicherweise von weiteren Vereinfachungen im Zollprozess profitieren. Die genauen Bedingungen und die Umsetzung werden noch weiter ausgearbeitet.
Das Prinzip hinter Trust & Check zeigt deutlich, in welche Richtung sich die europäischen Zollprozesse entwickeln: Wenn Sie Ihre Lieferkette, Compliance und Daten nachweislich im Griff haben, können Sie in Zukunft möglicherweise einfacher von vereinfachten Prozessen Gebrauch machen.
Zuverlässige Daten werden damit nicht nur zu einer Compliance-Anforderung, sondern können auch zu einem operativen Vorteil werden.
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
Sie müssen heute nicht sofort Ihren gesamten Zollprozess neu gestalten. Dennoch ist dies ein logischer Zeitpunkt, um zu untersuchen, wie gut Ihr Unternehmen auf ein zunehmend datengesteuertes Zollumfeld vorbereitet ist.
Ein wichtiger Ausgangspunkt ist die Frage, wo sich Ihre wesentlichen Produkt- und Handelsinformationen befinden.
Ist die HS-Klassifizierung beispielsweise zentral festgelegt und strukturell geprüft? Ist der Ursprung der Waren nachweisbar? Sind Hersteller- und Lieferantendaten verfügbar? Ist klar, welche Einheit innerhalb Ihrer Handelsstruktur als Importeur auftritt? Und lassen sich relevante Produktdokumente einfach mit spezifischen Artikeln verknüpfen?
Haben Sie ein großes Sortiment, mehrere Lieferanten, verschiedene ERP-Systemen oder eine komplexe internationale Handelsstruktur? Dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass wichtige Informationen über verschiedene Abteilungen und Systeme verteilt sind.
Indem Sie diese Situation jetzt analysieren, schaffen Sie Zeit, um Prozesse kontrolliert zu verbessern, anstatt erst dann zu reagieren, wenn neue Anforderungen verpflichtend werden.
Was unternimmt Van der Helm Logistics in der kommenden Zeit?
Van der Helm Logistics verfolgt die weitere Ausarbeitung und Implementierung des nUZK, des EU Customs Data Hub und der Änderungen im Bereich E-Commerce aufmerksam.
Wo dies für unsere Dienstleistungen relevant ist, werden wir bestehende Kundendossiers schrittweise aktualisieren und zusätzliche Informationen sammeln. Dabei kann es sich beispielsweise um Lieferanteninformationen, die Rolle des Importeurs, Produktdokumentationen sowie Klassifizierungs- und Ursprungsdaten handeln.
Sobald zusätzliche Daten für Ihre spezifischen Warenströme erforderlich werden, setzen wir uns gezielt mit Ihnen in Verbindung.
Damit wollen wir vermeiden, dass Sie unnötig große Mengen an Informationen bereitstellen müssen. Wir konzentrieren uns genau auf die Daten, die für Ihre spezifischen Handelsströme und Zollprozesse relevant sind.
Von der Regulierung zu einem praktikablen Logistik- und Zollprozess
Neue Zollvorschriften können komplex sein. Erst recht bei einer Reform, die über mehrere Jahre hinweg eingeführt wird und bei der Zollvorschriften, Produktgesetzgebung, IT-Systeme und Supply-Chain-Daten immer stärker miteinander verknüpft werden.
Die Rolle von Van der Helm Logistics besteht daher nicht nur darin, neue Vorschriften zu verfolgen, sondern vor allem darin, diese in Ihre tägliche Praxis zu übersetzen.
Als Logistikpartner unterstützen wir Sie bei Fragen rund um internationale Warenströme, Importstrukturen, Zoll- und Produktdaten, Compliance, E-Commerce und die Vorbereitung auf künftige europäische Zollanforderungen.
Da bei Van der Helm Logistik, Zoll, Warehousing, Transport und digitale Prozesse zusammenlaufen, können wir dabei über die reine Zollanmeldung hinausblicken. Gerade das Zusammenspiel von Daten, Zollformalitäten und dem physischen Warenstrom wird in den kommenden Jahren immer wichtiger.
Unser Ziel bleibt dasselbe: sicherzustellen, dass Ihr internationaler Warenstrom auch in einer sich wandelnden Zolllandschaft so reibungslos, effizient und compliant wie möglich fließen kann.
Vorbereitung auf den nUZK?
Der vollständige Übergang zum neuen europäischen Zollsystem wird noch mehrere Jahre dauern. Gleichzeitig zeigen die ersten Änderungen für den E-Commerce, dass der Wandel bereits begonnen hat.
Dies ist daher der richtige Moment, um Einblick in die Qualität Ihrer Produktdaten, Importstrukturen und Zollprozesse zu gewinnen.
Möchten Sie wissen, welche Teile des nUZK für Ihr Unternehmen relevant sein könnten? Oder möchten Sie Ihre aktuelle Situation bewerten lassen? Dann wenden Sie sich an Ihren Ansprechpartner bei Van der Helm Logistics.
Wir unterstützen Sie gerne dabei, die neuen Anforderungen in eine praktische Vorbereitung für Ihr Unternehmen zu übersetzen.
Weitere Informationen
Möchten Sie mehr über den neuen Unionszollkodex erfahren? Aktuelle Informationen finden Sie auf der Website des niederländischen Zolls:
https://www.douane.nl/kennisbank/handboeken/handboek-douane-en-wetteksten-dwu/ndwu/